Pantheon Berlin e.V.

Verein für interreligiöse Bildung und Zusammenarbeit

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Was ist „pagan“ und was „Paganismus“?

Der Begriff „pagan“ ist an sich keine Selbstbezeichnung vorchristlicher Religionen, sondern taucht erst zu Beginn der Christianisierung im Römischen Reich auf.

„paganus“ ist der Landbewohner. Wohl auch im Gegensatz dazu, dass die neue Religion zunächst eher unter der Stadtbevölkerung Verbreitung erfuhr. Außerdem sind Landbewohner stärker mit dem Ablauf der Natur verbunden. Die Verehrung von Quellen, Flüssen, der Umgang mit den Jahreszeiten, das Wissen um die Bedeutung von Fruchtbarkeit sind unmittelbarer. Und so sehr sich Missionare und Gesetzgeber in den folgenden Jahrhunderten abmühten – Bräuche verschwanden nie ganz. Manche wurden christianisiert, verschmolzen mit anderen Symboliken. Aber sie sind viel viel älter. Ich sag nur „Osterhase“, „Osterei“, Feuer um die Sonnenwenden, Maibaum…

Nett gemeint war „paganus“ nicht. Es hatte eher den Beigeschmack von „doofes Landei“.

Eine weitere Bedeutung: Gerade durch die Verbreitung im römischen Militär (man löste den Mithras-Kult ab…) und die durchaus martialische Art früher Missionare wurde der Begriff des „Miles Christi“ früh geboren. Der „Soldat Christi“ oder „christliche Soldat“. Eine Vorstellung, die dann noch einmal eine Blüte in den Kreuzzügen und der Kolonialisierung erlebte.

Hier gibt es das Gegensatzpaar „paganus“ ist der „Zivilist“. Interessanter Aspekt, gerade bei dem oft kriegerisch überzeichneten Bild vom „heidnischen Barbaren“.

In der Neuzeit, mit Beginn der Rekonstruktion und dem Wiedererstarken verschiedenster polytheistischer Religionen sah man sich einem Problem gegenüber: Es gab keinen -ismus. Keinen Dachbegriff. Auch kein -tum. Also gab es Dachbegriffe wie „Heidentum“ und dann – internationaler „Paganismus“. „Heidentum“ war nämlich christlich besetzt. Es hinderte nicht daran, den Begriff langsam zurückzuholen. Aber international hat sich Paganismus durchgesetzt.

Das ist ein Dachbegriff für sehr viele verschiedene Religionen und spirituelle Pfade. Unterschiedlich alt, unterschiedlich organisiert, manche polytheistisch, manche duotheistisch, manche monolatrisch, pantheistisch, magisch aktiv oder nicht, rekonstruktionistisch oder nicht. Eine große Vielfalt unter dem „paganen Dach“, im „pagan tent“ oder unter dem „pagan umbrella“.

Wer wir sind

„Sagt dem Kaiser, dass mein Tempel zu Boden gefallen ist. Phoibos gibt es hier nicht mehr. Weder sein Zuhause noch das Wohnhaus seines Orakel noch das Aufkommen seiner vielen Prophezeiungen, denn das heilige Wasser ist verfallen.

Doch werden inmitten der dunklen Zeiten neue Zeiten kommen, in denen die Menschen die Rituale der Erde erheben und Feuer und Weihrauch wieder brennen. Dann werden die Götter zurückkehren, um ihr Zuhause unter euch zu errichten.“

Letzte Prophezeiung von 362 vom Orakel von Delphi an Kaiser Julien, berichtet von Oribasius.

Pantheon e.V. steht für die Wiederentdeckung und zeitgemäße Vermittlung heidnischer, polytheistischer und naturspiritueller Perspektiven.

Wir verstehen Heidentum als eine lebendige, vielstimmige Spiritualität, die die Welt in ihrer göttlichen Vielfalt anerkennt und achtet – ein Wissen, das inspiriert, verbindet und Horizonte öffnet.

Unser Ziel ist es, das reiche kulturelle und theologische Erbe polytheistischer Traditionen in Bildung, Forschung, Kunst und den interreligiösen Austausch einzubringen.

Denn wo viele Göttinnen und Götter, viele Kräfte und Sichtweisen Platz haben, entsteht Raum für echte Begegnung und gemeinsames Lernen.

Pantheon e.V. will mit Projekten, Vorträgen und Kooperationen Brücken schlagen – zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen alten Wegen und neuen Ideen, zwischen Menschen und Natur.

Wir setzen uns für ein spirituelles Miteinander ein, das Vielfalt nicht nur toleriert oder respektiert – sondern feiert und das Bewusstsein für das Heilige in all seinen Formen lebendig hält.

Der Arbeitskreis „Pagane Wege und Gemeinschaften“ gehört zum Verein und ist in Berlin im interreligiösen Netzwerk tätig. Der Vorstand von Pantheon ist im Koordinierungskreis des Berliner Forums der Religionen vertreten und im Initiativkreis der Langen Nacht der Religionen (seit 2015).

Wir sind keine Religionsgemeinschaft, sondern eine Plattform für Religionsgemeinschaften des „pagan umbrella“, der die Vernetzung erleichtert und organisatorische Aufgaben z.B. für Veranstaltungen übernimmt, wo gemeinsames Handeln nötig ist.

Unsere Aufgabe ist klar:
Jeder Kreis, den wir ziehen,
jede Flamme, die wir entzünden,
jede Stimme, die wir erheben,
ist ein neuer Stein im Tempel der Götter.

Die Göttinnen und Götter waren nie untergegangen.
Sie kehren zurück, weil wir sie rufen.
Weil sie uns rufen.
In uns, mit uns, unter uns.

So erstehen die Tempel wieder,
in unseren Herzen und in dieser Welt.



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