Verein für interreligiöse Bildung und Zusammenarbeit

Schlagwort: Narrative

Ein Beispiel antipaganer Narrative

Schlimm, solche Artikel im Umfeld der EKD zu finden:

Die paganistische Revolution – Jeffrey Satinover | DIJG

Eigentlich ist für diesen Artikel ein ganzes Buch an detaillierten Gegenargumenten fällig, die auch zu jedem einzelnen Satz zu finden wären.

Allein die Queerfeindlichkeit und die verzerrte Darstellung von C.G. Jung sind schon eigene Themen.

Ich habe hier nur einmal gegen einige der zentralen Thesen gegen den „Paganismus“ etwas zusammengetragen:

Wer sich durch christliche Schriften über „den Paganismus“ arbeitet, trifft immer wieder auf das gleiche Muster: Heidentum erscheine als ethisch haltloser Polytheismus, als Macht- und Gewaltkult, als hemmungslose Orgienreligion, als Selbstanbetung des Menschen – und neuerdings sogar als heimliche Wurzel von Humanismus, Moderne und Massenmord. Hinter der dramatischen Rhetorik steckt ein relativ geschlossenes Argumentationsmuster, das mit der religionsgeschichtlichen Forschung und mit paganen Selbstdeutungen wenig zu tun hat.

Im Kern funktionieren diese Narrative so: Viele Götter bedeuteten viele Werte, also Relativismus; Naturverehrung bedeute Auflösung der Grenzen zwischen Gott und Mensch, also Selbstvergottung; die „spiritualisierten Instinkte“ führten zu Gewalt, Sex und Blutopfern; wer schließlich nur noch auf den Menschen vertraue, lande bei Humanismus, Nihilismus und Vernichtungslagern. Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch: Diese Kette hält empirisch und theologisch nicht.

Ein erster Schritt ist begriffliche Klärung. „Paganismus“ oder „Neopaganismus“ bezeichnet in der Religionswissenschaft keine einheitliche Weltanschauung, sondern eine ganze Familie moderner Religionen, die sich von vorchristlichen Traditionen inspirieren lassen: Wicca, Druidentum, verschiedene Formen von Heidentum/Ásatrú, goddess-orientierte Strömungen und mehr. Diese Bewegungen sind plural: Es gibt polytheistische, animistische, pantheistische, panentheistische und symbolische Lesarten, streng rekonstruktive Ansätze und bewusst eklektische. Schon das macht pauschale Aussagen wie „der Paganismus ist …“ fragwürdig.

1. Typisch ist der Vorwurf, Polytheismus und Paganismus hätten „kein einheitliches ethisches Maß“, sondern nur eine Vielzahl konkurrierender Werte. Historisch stimmt schon der Ausgangspunkt nicht: Antike polytheistische Kulturen waren geradezu durchsetzt von gemeinsamen Tugendidealen und Rechtsvorstellungen, von Ägyptens Maat über griechische Konzepte wie díkē und sōphrosynē bis zum römischen mos maiorum.

In der Gegenwart formulieren pagane Religionen explizite ethische Leitlinien. In Wicca wird die Wiccan Rede – „An it harm none, do what ye will“ – in der Forschung als zentrale moralische Formel beschrieben: Sie koppelt persönliche Freiheit an das Prinzip, niemandem Schaden zuzufügen und Verantwortung für die Folgen zu übernehmen. In heidnischen Milieus zirkulieren Tugendkataloge wie die „Nine Noble Virtues“, die Mut, Wahrhaftigkeit, Treue, Gastfreundschaft und Verantwortlichkeit hervorheben; auch wenn sie modern formuliert sind, fungieren sie als bewusstes Ethikangebot.

Religionswissenschaftliche Studien zu Modern Paganism betonen, dass viele Gemeinschaften stark ökologisch, feministisch und inklusiv ausgerichtet sind und Themen wie Gewaltfreiheit, Menschenrechte, Natur- und Minderheitenschutz theologisch verankern. Das Bild einer ethisch orientierungslosen „Religionsform des Willens zur Macht“ bricht damit sichtbar in sich zusammen.

2. Eng verknüpft ist der Topos vom „orgiastischen“ Heidentum, das von selbst zu Gewaltexzessen, Tempelprostitution und Kinderopfern neige. Hier beruft sich apologetische Literatur gern auf antike Polemik – und ignoriert systematisch die Ergebnisse der modernen Forschung. Das Schlagwort „Tempelprostitution“ ist inzwischen gut untersucht: Die Althistorikerin Stephanie Budin hat gezeigt, dass die klassischen Belegstellen aus dem Alten Orient, der Bibel und der griechisch-römischen Literatur auf Missverständnissen und Projektionen beruhen; eine institutionalisierte „heilige Prostitution“, wie sie in älterer christlicher Sekundärliteratur gern beschworen wurde, lässt sich quellenkritisch kaum halten.

Bei Menschen- und Kinderopfern ist das Bild deutlich komplizierter als die Formel „pagan = Kinderopfer“. Für den Tophet von Karthago etwa debattiert die Archäologie seit Jahrzehnten, ob es sich um einen Ort regelmäßiger Opfer oder um einen Spezialfriedhof für früh verstorbene Kinder handelt; die Funde erlauben unterschiedliche Deutungen, und die Forschung ist sich darüber explizit uneins. Dass es in verschiedenen Kulturen – polytheistischen wie monotheistischen – extrem gewaltsame Praktiken gab, ist unbestritten. Aber sie sind weder das „Wesen“ des Heidentums, noch die zwangsläufige Folge einer positiven Bewertung von Körperlichkeit oder Emotion.

Die meisten Rituale in historischen polytheistischen Kulturen waren unspektakulär: Opfer von Brot, Wein oder Tieren, gemeinschaftliche Mahlzeiten, Prozessionen, Gebete, Feste im Jahreslauf. Moderne ethnographische und historische Darstellungen antiker Religionen rücken diese Alltagsreligion in den Vordergrund, nicht die Ausnahmefälle ekstatischer Mysterien.

3. Ein dritter zentraler Vorwurf lautet, Paganismus sei „Selbstanbetung“: Weil Natur und Körperlichkeit als heilig gelten, vermeintlich ohne scharfe Trennung zwischen Schöpfer und Schöpfung, mache der Mensch seine Instinkte zum Gott und sich selbst zum Maß aller Dinge. Dahinter steckt ein stark dualistisches Gottesbild, das alles, was nicht „absolut transzendent“ gedacht ist, als Götzendienst abwertet.

Anthropologische Arbeiten zum Animismus liefern hier einen ganz anderen Zugang. Nurit Bird-David etwa beschreibt Animismus nicht als „primitive Verwechslung von Dingen mit Göttern“, sondern als relationale Epistemologie: Die Welt wird als Beziehungsgeflecht von Personen, menschlichen wie nicht-menschlichen, erfahren; der Mensch ist eine Person unter vielen, nicht ihr absoluter Mittelpunkt. Auch viele moderne Pagane beschreiben ihre Spiritualität genau so: Natur ist nicht „Gott = ich“, sondern eine Gemeinschaft lebendiger Wesen, zu denen Respekt und Gegenseitigkeit gehören.

Der Körper wird in solchen Ansätzen nicht vergötzt, sondern rehabilitiert. Wo christliche Traditionen häufig mit einer scharfen Trennung von „Geistig“ und „Fleischlich“ operiert haben, betonen Pagane die Heiligkeit des Leibes – und verbinden sie mit Verantwortung. Studien zu Geschlecht und Sexualität im zeitgenössischen Paganismus zeigen, dass dort überdurchschnittlich offen über Konsens, Grenzachtung, queere Identitäten und alternative Beziehungsformen gesprochen wird; Gewalt, Zwang und Übergriffigkeit werden explizit problematisiert, nicht als „spirituelle Ekstase“ durchgewinkt.

4. Damit hängt ein vierter Baustein des Anti-Paganismus-Narrativs zusammen: die Gleichsetzung von Paganismus, Humanismus und den Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Die Argumentationsfigur lautet grob: Wer den Menschen oder die Natur an die Stelle Gottes setze, ende bei Humanismus; die schlimmsten Massenmorde seien in „humanistischen“ Ländern verübt worden, also führe dieses Denken zwangsläufig in Barbarei.

Auch hier widerspricht schon die Selbstbeschreibung des Humanismus. In der Amsterdamer Erklärung, dem grundlegenden Manifest des weltweiten Humanismus, heißt es ausdrücklich: Humanismus sei ethisch, bejahe die „Würde, den Wert und die Autonomie jedes Menschen“ und die größtmögliche Freiheit kompatibel mit den Rechten anderer, verbinde persönliche Freiheit mit sozialer Verantwortung und unterstütze Demokratie und Menschenrechte. Humanistische Verbände treten international gegen Folter, Todesstrafe, Religionszwang, Diskriminierung und totalitäre Systeme auf.

Die großen Genozide des 20. Jahrhunderts – insbesondere die Shoah – werden in der historischen Forschung nicht als Frucht „zu viel Humanismus“, sondern als Folge spezifischer totalitärer Ideologien beschrieben: rassistisch-antisemitischer Nationalsozialismus, stalinistischer Terror, maoistische Kampagnen. Nazismus wird als Mischung aus faschistischem Totalitarismus, extremem Ethnonationalismus und pseudowissenschaftlichem Rassismus analysiert; Antisemitismus steht im Zentrum dieser Ideologie. Der Bezug auf „Wissenschaft“ in solchen Systemen war Propaganda, kein Humanismus im Sinne der Achtung vor der Würde jedes Menschen.

Wenn apologetische Texte diese Verbrechen pauschal Ländern „mit humanistischen Überzeugungen“ zurechnen, ist das weniger Analyse als rhetorische Schuldverschiebung: Alles, was nicht in ein bestimmtes religiöses Schema passt, wird unter „Humanismus“ oder „Heidentum“ verbucht – und so gemeinsam diskreditiert.

Schaut man dagegen von innen auf moderne pagane Bewegungen, zeigt sich eine andere Linie: Viele Strömungen verstehen sich ausdrücklich als Partner eines erweiterten Humanismus, der den Menschen nicht mehr isoliert an die Spitze der Schöpfung setzt, sondern als besonders verantwortliche Person in einem „more-than-human world“ begreift. Ökologie, Feminismus, Antirassismus und Minderheitenschutz werden nicht als Bedrohungen eines religiösen Ordnungssystems, sondern als Konsequenzen eines spirituellen Verbundenheitsbewusstseins gedeutet.

Zusammenfassend:

Am Ende entlarven sich die typischen Argumente gegen Paganismus als das, was sie sind: polemische Konstruktionen, die historische Extreme und alte Vorwürfe (Idolatrie, Orgien, Kinderopfer) mit modernen Feindbildern (Humanismus, Feminismus, LGBTQ-Kultur) zu einem großen „Unheilsblock“ verschmelzen. Sie übergehen die innere Vielfalt paganer Religionen, ignorieren ihre ethischen Traditionen und blenden aus, dass Gewalt, Exzess und Ideologie nicht an Polytheismus oder Naturspiritualität gebunden sind, sondern menschliche Möglichkeiten in allen religiösen und säkularen Systemen.

Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Paganismus – historisch wie in der Gegenwart – führt daher zu einem differenzierten Bild: Viele Götter bedeuten nicht Wertelosigkeit, Naturheiligkeit nicht Selbstanbetung, Körperfreundlichkeit nicht Enthemmung, und Humanismus nicht Menschenverachtung. Stattdessen begegnen wir einem Spektrum von Wegen, die das Heilige in der Welt suchen, Beziehung in den Mittelpunkt stellen und in sehr unterschiedlichen Sprachen nach Gerechtigkeit, Maß und Verantwortlichkeit fragen.



Religiöse Vielfalt, Narrative – und was wir für eine bessere Zusammenarbeit in Berlin brauchen

Rede auf der Fachtagung zu DialogPlus: WISSENSCHAFFTWIRKUNG
„Perspektiven für starke Religionsgemeinschaften“

18. November 2025, 15.30 Uhr

Liebe Anwesende,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und den verschiedensten Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften,

wenn wir heute über religiöse Vielfalt in Berlin sprechen, sehen wir eine Stadt, die bunter ist als je zuvor.

Doch wir sehen auch, dass die Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und religiösen Gemeinschaften nicht immer so gelingt, wie sie könnte. Ein zentraler Grund dafür sind Narrative – Erzählmuster, die oft unbemerkt unsere Wahrnehmung und Entscheidungen beeinflussen.

Diese Narrative sind nicht unbedingt böswillig.

Sie entstehen aus Zeitdruck, aus Gewohnheit oder aus fehlendem Wissen über die enorme Differenzierung zwischen und innerhalb religiöser Traditionen.

Und trotzdem können sie sehr reale Folgen haben – für Förderentscheidungen, für Anerkennungsprozesse, für Teilhabechancen.

Ich möchte heute drei Dinge tun:

  1. zeigen, was uns aktuell in der Zusammenarbeit fehlt,
  2. benennen, was wir konkret brauchen,
  3. und erklären, wie wir Narrative mit einer klaren Checkliste besser erkennen und neutralisieren können.

1. Was uns aktuell in der Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung fehlt

1.1. Differenzierung statt Schubladen

Viele religiöse Gruppen erleben, dass sie zunächst als Teil eines Narrativs wahrgenommen werden:

  • Muslime als Sicherheitsrisiko.
  • Pagane als „nicht richtige Religion“ oder pauschal „Verdächtig rechts“
  • – Religiöse Gruppen allgemein als potenzielle Konfliktquelle.

Das verzerrt Gespräche schon, bevor sie beginnen.

1.2. Transparente, nachvollziehbare Maßstäbe

Oft ist unklar, wie Förderentscheidungen zustande kommen oder nach welchen Kriterien eine Gruppe als relevant oder kooperationsfähig gilt.

1.3. Klare und verlässliche Zuständigkeiten

Wer ist ansprechbar – und wirklich zuständig? Diese Frage klärt sich in Berlin häufig erst nach mehreren Weiterleitungen.

1.4. Fachwissen über religiöse Vielfalt

Die meisten Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter sind hoch engagiert, aber ihnen fehlt oft strukturelle Unterstützung: Überblick über kleinere Religionen, interne Vielfalt, rechtliche Besonderheiten, historische Zusammenhänge.

2. Was wir konkret brauchen, um wirkungsvoller arbeiten zu können

2.1. Stabilere Ansprechstellen

Ein Büro oder Kompetenzzentrum, das religiöse Vielfalt wirklich kennt und jede Gruppe ernst nimmt, unabhängig von Größe oder Bekanntheitsgrad. In der Hand des Landes.

2.2. Verlässliche Kriterien für Förderung und Kooperation

Entscheidungen müssen prüfbar und nachvollziehbar sein – und für alle Religionen in gleicher Weise gelten.

2.3. Einbindung in Prozesse statt punktueller Konsultation

Kleine Gemeinschaften dürfen nicht nur „angehört“, sondern sollten als Partner eingebunden werden. Sie sind auch keine bunte Dekoration am Rand.

2.4. Schulungsangebote für Verwaltung und Politik

Kurze, praxisorientierte Formate reichen oft schon, um Narrative zu entlarven und differenziertes Wissen aufzubauen.

3. Ein Beispiel aus der Praxis

Eine kleine heidnische Gemeinschaft bewirbt sich für eine interreligiöse Veranstaltung in Berlin. Die erste Rückmeldung:

„Wir fördern nur anerkannte Religionsgemeinschaften.“

Im späteren Gespräch stellt sich heraus:
Es gibt gar keine solche Regel. Es handelte sich um ein erzählerisches Muster – ein unbewusstes Narrativ, das aus der Vorstellung entstanden ist, nur die großen Religionen seien „richtig“, während kleinere eher kulturelle Vereine seien oder gar suspekt.

Rechtlich gibt es in Deutschland keine „Anerkennung“, es gibt Körperschaften, die Voraussetzungen haben kleinere Religionsgemeinschaften nicht und sind oft nur Vereine.

Nach mehreren Gesprächen wird der Antrag schließlich bewilligt – aber nur, weil einzelne Mitarbeitende sich intensiv gekümmert haben.

Dieses Beispiel zeigt, wie stark Narrative Entscheidungen prägen – und wie viel Engagement nötig ist, um sie zu korrigieren.

4. Die Narrative-Checkliste – ein Werkzeug, das sofort hilft

  1. Faktenbasis prüfen:
    Stimmt die Annahme – oder ist sie nur oft gehört worden?
  2. Quellenlage klären:
    Kommt das Wissen aus direkten Kontakten?
    Oder aus Medienberichten, Hörensagen, eigenen Vorurteilen?
  3. Pauschalisierungen erkennen:
    Wird eine große Gruppe für das Verhalten einzelner verantwortlich gemacht? Behandeln wir da alle gleich?
  4. Komplexität zulassen:
    Gibt es interne Vielfalt, Strömungen, Differenzen?
    Wird sie berücksichtigt?
  5. Selbstreflexion:
    Welche eigene Erfahrung oder Prägung beeinflusst meine Wahrnehmung?
  6. Vergleichstest:
    Würde ich dieselben Maßstäbe auch auf Mehrheitsreligionen und Kirchen anwenden?
  7. Wirkungsanalyse:
    Welche Wirkung hätte ein unreflektiertes Narrativ – z. B. bei Förderungen, Räumen, Kooperationen?
  8. Betroffene einbeziehen:
    Wurden Vertreter*innen der betroffenen Gemeinschaft einbezogen oder nur über sie gesprochen?

Diese Checkliste ist kein akademisches Konstrukt – sie spart Zeit, verhindert Missverständnisse und erhöht die Fairness administrativer Entscheidungen erheblich.

5. Wie lässt sich die Zusammenarbeit in Berlin verbessern?

5.1. Aufbau eines Kompetenzzentrums für religiöse Vielfalt

Ein Ort, der Wissen bündelt, Ansprechpartner*innen ausbildet und Verwaltung, Politik und Gemeinschaften gleichermaßen unterstützt.

Wissenschaftlich fundiert, nicht auf religiös einseitige Sektenbeauftragte zurückgreifend.

5.2. Klare Dialogstrukturen

Regelmäßige Austauschformate, verbindliche Arbeitskreise und transparent dokumentierte Ergebnisse. Darin sind echte demokratische Prozesse nötig, was Minderheitenschutz beinhaltet.

5.3. Gleichbehandlung aller Religionen

Nicht Größe, Bekanntheit oder Tradition, sondern Tatsachen und gesellschaftliche Beiträge sollten zählen. Gezielte Förderung kleinerer Gemeinschaften, da diese eben keine eigenen Reserven haben.

5.4. Gemeinsame Projekte fördern

Wenn religiöse Gemeinschaften gemeinsam Veranstaltungen, Bildungsarbeit oder soziale Projekte umsetzen, entsteht Vertrauen – auch jenseits der bekannten großen Akteure. Das muss aber begleitet werden, um zu vermeiden, dass wieder ein Gefälle gegen kleinere entsteht.

5.5. Narrative-Checks als Standard in Entscheidungsprozessen

Ein kurzer Blick auf die Checkliste verhindert, dass alte Bilder neue Ungerechtigkeiten erzeugen.

Zum Schluss

Wenn wir Narrative erkennen und kritisch prüfen, gewinnen wir Klarheit.

Wenn wir Strukturen schaffen, die alle Religionen gleichermaßen ernst nehmen, gewinnen wir Gerechtigkeit.

Und wenn wir Zusammenarbeit nicht dem Zufall überlassen, sondern aktiv gestalten, gewinnt Berlin.

Gewinnt Berlin, gewinnen wir alle.

Die religiöse Vielfalt dieser Stadt ist kein Problem, das man verwalten muss – sie ist ein Potential, das man entfalten kann. Aber das gelingt nur, wenn wir bereit sind, Narrative zu hinterfragen und Strukturen zu stärken.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!