Vom eingeritzten Hauszeichen bis zum modernen Pentakel – Symbole, die mit „Hexen“ verbunden werden, haben eine lange und wechselvolle Geschichte. Ihre Bedeutung wandelte sich von Abwehrzauber zu spirituellem Ausdruck.

1. Ursprung: Schutz vor Hexerei

In der frühen Neuzeit dienten Hexen- oder Bannzeichen nicht der Hexerei, sondern dem Schutz gegen sie.
Bauern und Handwerker ritzten Kreise, Sterne, Doppel-V-Zeichen oder Rosetten in Türen und Balken, um Haus und Stall vor Hexen und Unheil zu schützen.

Natürlich ist der Gebrauch von Zeichen und Symbolen für Schutz und Rituale viel älter, so alt wie die Menschheit selbst. Darauf gehen wir in einem anderen Artikel noch ein.

Hier geht es um die neuzeitlichen „Hexenzeichen“.

Solche Zeichen – heute als witch marks oder apotropaic marks bekannt – finden sich in ganz Europa (vgl. Merrifield 1987).
Häufige Formen waren das Pentagramm, Sonnenräder, Marienmonogramme und Doppelkreise.
Sie verbanden sich mit christlicher Frömmigkeit ebenso wie mit volkstümlicher Magie.

2. Runen und Zauberzeichen

Runen, ursprünglich germanische Schriftzeichen, galten schon in der Wikingerzeit als Träger magischer Kraft.
Im Spätmittelalter erschienen runenähnliche Linien und Symbole in Zauberbüchern und Amuletten – etwa in der isländischen Galdrabók.

Sie stellen einerseits eine Weiterentwicklung der älteren Runen dar, z.B. ritzte man nicht mehr, es wurde mit Tinte geschrieben, wodurch Zeichen runder wurden. Andererseits erfolgte eine Vermischung mit hermetischen und kabbalistischen Siegeln und Zeichen.

Der Begriff „Hexenrunen“ entstand erst im 19. Jahrhundert, als Romantik und Okkultismus die Runen neu deuteten.
Besonders völkische Autoren wie Guido von List oder Karl Spiesberger sahen sie als Urzeichen magischer Macht – meist ohne historische Grundlage.

3. Moderne Hexensymbole

Mit dem Aufkommen von Wicca und moderner Hexenspiritualität seit den 1950er Jahren wandelte sich die Symbolik grundlegend.
Zeichen, die einst der Abwehr dienten, wurden zu positiven magischen Werkzeugen.

Zu den wichtigsten Symbolen zählen:

  • Pentagramm / Pentakel – Symbol der Elemente und des Schutzes
  • Dreifacher Mond – Jungfrau, Mutter, Alte; Lebensphasen der Göttin
  • Triskele / Spirale – Kreislauf von Leben, Tod, Wiedergeburt
  • Bindrunen / Sigillen – individuell geschaffene Zauberzeichen

Sie stehen heute für Selbstermächtigung, Naturverbundenheit und Spiritualität.

Zeichen wie Pentagramme, Mondsymbole und Triskelen gehören zu den ältesten Symbolen der Menschheit und sind mit vielen religiösen Vorstellungen verbunden.

4. Bedeutungswandel

Früher galten Hexenzeichen als Bann gegen weiblich konnotierte Magie – heute sind sie Symbole weiblicher Kraft und Freiheit.
Der Weg vom Furchtzeichen zum Identitätssymbol spiegelt den kulturellen Wandel des Hexenbildes:
Von der bedrohten Außenseiterin zur Hüterin alten Wissens.

Quellen (Auswahl)

  • Merrifield, Ralph: The Archaeology of Ritual and Magic. London 1987.
  • Davies, Owen: Cunning-Folk: Popular Magic in English History. London 2003.
  • Wienker-Piepho, Sabine: Zauberzeichen und Segenssprüche in Volkskultur und Kunst. München 2005.
  • Biedermann, Hans: Knaurs Lexikon der Symbole. München 1989.
  • Pennick, Nigel: Magical Alphabets. London 1992.